Inflation 2022

Der Blick auf die Inflationszahlen der vergangenen Monate führt nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa und den USA zu erschrockenen Gesichtern: Nach jahrelangen niedrigen Teuerungsraten zwischen +0,5% und +2% liegt die Inflation 2022 plötzlich bei über 5%.

Wie konnte das passieren? Und wie wird sich die Inflation in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln?

Wie kommt es zur aktuellen Inflation?

Die Inflation 2022 ist ursächlich auf zwei Faktoren zurückzuführen:

  • Re-Opening der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie
  • Der Angriff Russlands auf die Ukraine

Re-Opening der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie

Monatelang stand die Wirtschaft still, das gesellschaftliche und öffentliche Leben lag brach. Und das international, auch in Ländern, die wichtige Zuliefererfirmen beheimaten: Chips, Vorprodukte, Rohstoffe – all diese Produkte wurden in deutlich reduziertem Umfang produziert. Dazu kam, dass die internationalen Lieferketten einfroren: Schiffe lagen vor Anker, Frachtflugzeuge blieben am Boden, LKWs fuhren nicht mehr.

 

Im Moment, als die Wirtschaft und Gesellschaft wieder größtenteils geöffnet wurde, entlud sich bei Konsumenten ein lange Monate angestauter Konsumdrang. Die hohe Nachfrage konnte jedoch nicht mit entsprechendem Angebot bedient werden, die Nachbestellung fehlender Rohstoffe und Vorprodukte explodierte, während die Logistik all dem nicht standhalten konnte. Höhere Preise in der Beschaffung und Logistik sowie lange Lieferzeiten waren die Folge, was sich bis zum heutigen Tag negativ auswirkt: Inflation setzte ein.

 

Der Angriff Russlands auf die Ukraine

Russlands Invasion in die Ukraine führte neben menschlichem Leid auf den internationalen Märkten für Öl, Gas, Getreide und Düngemittel zu Verwerfungen. Da Deutschland bis dato 50% seiner Gaslieferungen aus Russland erhielt (EU 40%), wurde die Abhängigkeit urplötzlich und für die deutsche Politik offensichtlich unerwartet zum Problem. Zum russischen Gas existieren keine kurzfristigen Alternativen. Flüssiggas (LNG) ist erst mittelfristig in der Lage, einen Teil der deutschen Gasversorgung durch Russland zu ersetzen. Die abrupte Abkehr Deutschlands von der Kernkraft und der Fokus auf erneuerbare Energien macht die Situation noch prekärer als z.B. für Frankreich, das 71% seines Strombedarfs durch Atomstrom deckt.

Ähnliche Wirkung wie explodierende Gaspreise erzeugte die internationale Sanktionierung von russischem Öl. Der Preis für die Sorte Brent stieg schlagartig an, nachdem einer der wichtigsten Erdöl Exporteure der Welt langfristig wegfällt.

Die Quittung erhielten nicht zuletzt die Autofahrer an der Zapfsäule. Mittelfristig bekommt es die Wirtschaft und deutsche Industrie zu spüren, wenn das Schmiermittel der Weltwirtschaft (Öl) teurer wird. Die Konsequenz: Eine Verteuerung der ohnehin schon gestiegenen Preise in Deutschland, der EU und weltweit.

Ergebnis Inflation 2022 in Deutschland

Beide Ereignisse (Reopening nach Corona und der Ukraine-Krieg) führen zu inflationärem Druck. Durch das Überlappen der beiden Phasen (zuerst Reopening, dann Ukraine-Krieg) türmten sich die beiden separat entstandenen Wellen zu einer großen Inflationswelle auf. Das Ergebnis können wir an den Inflationszahlen ablesen.

Ein dritter Faktor, welcher der beschriebenen Dynamik als Fundament unterliegt, ist die EZB mit ihren zahlreichen Hilfsmaßnahmen und -paketen. Diese Maßnahmen, welche im Grunde bereits seit der Finanzkrise 2008 begonnen, später während der Eurokrise und in noch intensiverer Form in der Coronakrise fortgeführt wurden, bewirken im Ergebnis eine immer größere Ausweitung der Geldmenge.

Dass es seit 2008 nicht schneller zu hohen Inflationswerten über 3% gekommen ist, führen Ökonomen wie Hans-Werner Sinn auf „Geldhorte“ zurück, in welchen sich viele der neu geschaffenen Mittel (Gelder) verstecken. Geld in diesen Horten wird nicht in den Wirtschaftskreiselauf eingebracht sondern liegt ohne produktiven Nutzen brach.

Wird dieses Geld jedoch einmal aus den Horten aktiviert – z.B. durch eine aufkeimende Inflation, verursacht durch Ereignisse wie oben beschrieben – so kann es schlagartig zu ungesehenen Inflationswerten kommen.

Wie geht es mit der Inflation 2022 weiter?

Eine schnelle Normalisierung der Inflationswerte ist in Anbetracht der Geschehnisse in der Ukraine unwahrscheinlich. Durch den Stopp von Öl- und Gaslieferungen von Russland, den Ernteausfällen in der Ukraine und die Verknappung des Angebots von Düngemitteln durch russische Sanktionen werden die Preise vieler Produkte möglicherweise weiter steigen, bis sich ein neues Preisniveau einpendelt. Auch wirken immer noch die Lieferkettenengpässe nach.

 

Sehen wir von einer einsetzenden Lohn-Preisspirale ab und normalisieren sich die internationalen Lieferketten wieder, so könnten sich die Inflationswerte Stück für Stück auf einem Niveau einpendeln, das zumindest oberhalb des Durchschnittswerts der letzten 10 Jahre liegt (1,37%). Wir können davon ausgehen, dass wir in diesem Jahrzehnt mit Inflationswerten von teilweise deutlich über 2% kämpfen müssen.

FAQ

Wie hoch wird die Inflation in den nächsten Jahren?

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir in Deutschland und Europa in den nächsten Jahren überdurchschnittliche Inflationsraten sehen werden. Das von der EZB angepeilte Ziel von 2% im Durchschnitt wird nicht zu erreichen sein. Stattdessen sind Inflationsraten von 3% bis 4% bei Beruhigung der weltweiten Lieferkettenprobleme sowie einem schnellen Frieden in der Ukraine zu erwarten.
Sollte der Krieg in der Ukraine länger andauern oder sogar andere NATO Staaten oder China involvieren, so ist mit deutlichen höheren Inflationsraten von 4% aufwärts zu rechnen.

Wie hoch ist die Inflation wirklich?

Der repräsentative Warenkorb, auf dessen Basis die Inflationswerte berechnet werden, enhält diverse Produkte und Dienstleistungen:
  • Mieten
  • Nahrung
  • Kleidung
  • Technische Geräte
  • Reiseleistungen
  • Gesundheitsleistungen
Da jeder Bürger ein individuelles Konsum-Muster aufweist, ist der Warenkorb für den Einzelnen nie 100% zutreffend, sondern kann als Näherungswert gesehen werden.

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